Digitalisierung des Institutes für Pathologie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

Im Rahmen des Projektes „DIGIPAT“ wurde bis Ende 2025 der Bereich der Pathologie am Universitätsklinikum Dresden in ersten Schritten digitalisiert. Das Institut für Pathologie hat damit als zentrale Einrichtung für die Krebsdiagnostik sowie weitere Erkrankungen im Freistaat in Kooperation mit der Carus Consilium Sachsen GmbH erste Prozesse in der histopathologischen Routine automatisiert und so die Qualität der Diagnostik weiter verbessert.

Dank DIGIPAT wurde die Probenaufbereitung in der Histopathologie automatisiert

Digitalisierung als Meilenstein für die Pathologie in Sachsen

Das Ziel von DIGIPAT war die Fundamentlegung für die folgende vollumfängliche Digitalisierung der histopathologischen Routinediagnostik – ein Vorhaben, das in Zukunft nicht nur die Arbeitsprozesse revolutioniert, sondern auch die Qualität der medizinischen Versorgung in Sachsen nachhaltig verbessern soll und den Einsatz der Künstlichen Intelligenz (KI) vorbereitet.

Die Pathologie ist ein zentrales Fach der modernen Medizin und ist zum Beispiel bei der Diagnostik von Krebserkrankungen von grundlegender Bedeutung. Mit dem Projekt DIGIPAT begegnet das Institut für Pathologie am Uniklinikum Dresden den steigenden Anforderungen in der Befundung und der personalisierten Medizin sowie dem zunehmenden Fachkräftemangel. Ziel des Projektes war es daher, die gesamte Prozesskette so zu optimieren und zu automatisieren, dass zukünftig eine komplette Digitalisierung vom Probeneingang über die Analyse bis zur Befundung erfolgen kann. Zudem wurde mit dem Projekt die Grundlage für die zukünftige Integration von zertifizierter KI in die Analyseprozesse geschaffen.

In drei Projektphasen wurden zunächst die Hardware im Labor erneuert, anschließend moderne Softwaremodule integriert und schließlich ein einheitlicher, automatisierter Workflow für die Histopathologie etabliert. „DIGIPAT ist eine wichtige Grundlage für die Zukunft der Pathologie“, betont Prof. Dr. Gustavo Baretton, Direktor des Instituts für Pathologie. „Wir schaffen nicht nur das Fundament für die zukünftige Digitalisierung und Integration von zertifizierter KI-Assistenz , sondern damit auch das Potenzial für mehr Effizienz in der Befundung und für wissenschaftliche Innovation.”

Auch Dr. Falk Zakrzewski, Projektverantwortlicher am Universitätsklinikum Dresden, unterstreicht die Bedeutung: „Mit dem erfolgreichen Abschluss von DIGIPAT ist der Grundstein gelegt für die nächste Entwicklungsstufe: die allumfassende Digitalisierung der gesamten Histopathologie sowie dann im Anschluss daran den gezielten Einsatz von zertifizierten KI-Assistenzsystemen in der Routinediagnostik.“

Und Johannes Klaus, Geschäftsführer der Carus Consilium Sachsen GmbH, die das Projekt begleitet, betont: „Diese ersten Schritte zur Digitalisierung der histopathologischen Analyse sind eine wichtige Investition in eine zukunftsfähige medizinische Versorgung und somit in die Gesundheit der Menschen in Sachsen.“ Diese moderne Infrastruktur erlaubt künftig eine komplett automatisierte Analyse komplexer Gewebestrukturen und unterstützt Ärztinnen und Ärzte bei der Befundung. Damit ermöglicht DIGIPAT nicht nur Vorreiterprojekte in Sachsen, sondern auch die Pathologie der Zukunft.

Kirsten Lassig/Uniklinikum Dresden

Prof. Dr. Gustavo Baretton, Direktor des Instituts für Pathologie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
(© Kirsten Lassig/Uniklinikum Dresden)

Interview mit Prof. Dr. Gustavo Baretton, Direktor des Instituts für Pathologie, über die nachhaltige Veränderung von Diagnostik und Patientenversorgung durch digitale Technologien:

Herr Professor Baretton, Sie leiten das Institut für Pathologie am Universitätsklinikum Dresden. Mit DIGIPAT haben Sie ein großes Digitalisierungsprojekt gestartet. Was steckt dahinter?

Prof. Dr. Gustavo Baretton: DIGIPAT steht für die Digitalisierung unseres Instituts für Pathologie. Ziel ist es, unsere gesamte Routinearbeit – vom Probeneingang über die Analyse bis hin zur Befundung – digital, automatisiert und zukunftssicher zu gestalten. Damit reagieren wir auf die steigenden Anforderungen in der Diagnostik und den zunehmenden Fachkräftemangel.

Warum ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt für diesen Schritt?

Prof. Baretton: Die Pathologie ist ein zentrales Fach in der modernen Medizin – insbesondere in der Onkologie und Krebsdiagnostik. Die Zahl der eingehenden Gewebebiopsien und Resektate und die Komplexität der nachfolgenden Analysen nehmen stetig zu. Gleichzeitig fehlen uns zunehmend qualifizierte Fachkräfte im ärztlichen und nichtärztlichen Bereich. Digitalisierung und der damit möglich werdende Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) sind daher keine Option mehr, sondern eine zwingende Notwendigkeit, um weiterhin eine qualitativ hochwertige Krebsdiagnostik und Forschung in der Onkologie leisten zu können.

Was genau wird im Rahmen von DIGIPAT umgesetzt?

Prof. Baretton: Wir erneuern die komplette Hardware-Strecke im Labor, modernisieren die Befundungsarbeitsplätze und integrieren neue Softwaremodule in unser Laborinformationssystem. Das Ganze erfolgt in drei Phasen: Hardwarebeschaffung und -einrichtung, Softwareintegration und schließlich die Zusammenführung zu einem einheitlichen digitalen Workflow. Ziel ist ein vollständig digitalisiertes Labor, das damit für den Einsatz von KI als nächster Schritt vorbereitet ist.

Welche konkreten Vorteile bringt das für den Alltag im Labor?

Prof. Baretton: Die Prozesse werden effizienter, sicherer und – vor allem dann beim Einsatz der KI – schneller. Wir minimieren Fehlerquellen, entlasten unser Personal und können Ressourcen gezielter und effizienter einsetzen. Außerdem schaffen wir durch die Digitalisierung die Grundlage für den Einsatz von KI in der Routinediagnostik – etwa zur Unterstützung bei der Befundung. Das steigert nicht nur die Qualität, sondern auch die Bearbeitungsgeschwindigkeit.

Was ist bisher geschafft und wie sieht der nächste Schritt aus?

Prof. Baretton: Wir starten jetzt mit der zweiten Phase des Projektes. Hier gibt es die größten Veränderungen bei unserer Arbeit im Labor: Die Handarbeit mit Mikroskop und Glasobjektträger wird durch den digitalen Prozess digitalisierter Gewebeschnitte abgelöst. Großscanner digitalisieren dabei die Präparate bzw. Objektträger, die Befundung nehmen die Ärztinnen und Ärzte letztlich am Monitor über entsprechende Softwaretools vor, die als sogenanntes digitales Mikroskop dienen – ein regelrechter Paradigmenwechsel. Mit Blick auf den Fachkräftemangel und die Vereinbarkeit von Job und Familie ermöglicht dieser digitale Prozess aber künftig auch die Arbeit von zu Hause aus.

Und wie sieht Ihre Vision für die Zukunft aus?

Prof. Baretton: Ich sehe DIGIPAT als Fundament für eine neue Ära der Pathologie. Mit der Digitalisierung und letztlich auch KI schaffen wir nicht nur Effizienz, sondern auch Raum für Innovation. Die Kombination aus menschlicher Expertise und KI wird unsere Diagnostik auf ein neues Niveau heben – zum Wohle der Patientinnen und Patienten und für einen erfolgreichen Kampf gegen den Krebs.

Über DIGIPAT

Das Förderprojekt DIGIPAT wurde seit Januar 2024 vom Institut für Pathologie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden und der Carus Consilium Sachsen GmbH auf Initiative des Institutsdirektors Professor Dr. med. Gustavo Baretton gemeinsam durchgeführt. Die Umsetzung erfolgte in Zusammenarbeit mit dem technischen Auftragnehmer, der NEXUS AG. Gefördert wurde DIGIPAT durch den Freistaat Sachsen über die Sächsische Aufbaubank – Förderbank – aus Mitteln des sächsischen Landeshaushalts. Dieses Projekt bildet die Grundlage für die anschließende vollumfängliche Digitalisierung und Integration von zertifizierter KI in den täglichen Routinebetrieb.

Mit Förderbescheid der Sächsischen Aufbaubank – Förderbank (SAB) vom 27.11.2023 wurde das Projekt mit einer Laufzeit bis 31.12.2025 genehmigt.

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