06.11.2014

EU-weit einmaliges Telemedizin-Projekt geht in die heiße Phase

Wichtige Meilensteine beim Aufbau des EU-Modellprojekts „CCS Telehealth Ostsachsen“ erreicht

Der Aufbau von Deutschlands größtem Telemedizin-Projekt „CCS Telehealth Ostsachsen“ hat das erste wichtige Etappenziel erreicht: Nach dem Start im März 2014 ist die Hälfte der technischen und medizinischen Vorbereitungen erfolgreich abgeschlossen. Die Geschäftsführerin der Carus Consilium Sachsen (CCS) GmbH, Sabine Rößing, betonte anlässlich des 5. Nationalen Telemedizin-Kongresses am Donnerstag in Berlin, das EU-weit einmalige Projekt könne „Bergfest“ feiern.

Aus medizinischer Sicht seien viele Grundlagen für den Erfolg des Vorhabens gelegt. So wurden an den beteiligten Kliniken die medizinischen Teams aufgestellt und haben ihre Zusammenarbeit begonnen. Behandlungspfade und Betreuungskonzepte werden implementiert. Die Casemanager und Telenurses als speziell geschulte Pflegekräfte für die Best-Practice-Beispiele des Projekts werden inzwischen für das System geschult. Auch die Auswahl von Patienten für die Pilotphase des Vorhabens habe begonnen.

Auch Michael Hübschen, Programmleiter Telemedizin bei der Deutschen Telekom Healthcare Solutions (DTHS), die die technische Infrastruktur verantwortet, zog am Donnerstag in Berlin eine positive Zwischenbilanz. „Wir haben für Telehealth Ostsachsen bis Ende Oktober viele Hürden meistern können und wesentliche Meilensteine erreicht“, sagte Hübschen. „Damit liegen wir absolut im Zeitplan.“

So wurde unter anderem bei allen beteiligten Kliniken und Ärzten der Bedarf an Hard- und Softwarekomponenten ermittelt, ausgeschrieben und schon teilweise beschafft. Dazu zählen telemedizinische Arbeitsplätze, hochleistungsfähige Server und Scanner für Gewebeproben wie auch Tablets und IP-Telefone für die Patienten. Jetzt können der Aufbau der Plattform und die aufwändigen Programmierungsarbeiten in die heiße Phase gehen.

Virtueller Runder Tisch für alle medizinischen Bereiche

Die Carus Consilium Sachsen GmbH, eine Tochter des Universitätsklinikums Dresden, und die Telekom-Tochter T-Systems International als Projektträger bauen in der Region Ostsachsen eine offene, barrierefreie und interdisziplinäre IT-Plattform für die medizinische Versorgung der Bevölkerung in der Region auf. Es wird ein virtueller Runder Tisch, an dem Patienten, Ärzte, Kassen, Kliniken und andere medizinische Dienstleister interdisziplinär, online zusammenarbeiten können. Dank eigens geschaffener, standardisierter Software und sicherer Daten-Routen können die Akteure der Region miteinander verbunden werden.

„Noch vor Weihnachten beginnen interne Tests der Basisversion“, kündigte Hübschen an. Im Mai beginnt die Pilotphase, ab Juli 2015 soll „Telehealth Ostsachsen“ mit drei Beispielanwendungen etwa zur Herzinsuffizienz, zur Schlaganfall-Nachsorge und zu Gewebe-Untersuchungen online gehen. Übergeordnetes Ziel ist eine wohnortnahe medizinische Versorgung der Patienten auch in den ländlichen Regionen.

Insellösungen keine Strategie für die Zukunft mehr

Mit seinen großräumigen universellen IT-Lösungen hat das Projekt selbst im europäischen Maßstab Modellcharakter und wird von der EU und dem Freistaat mit knapp zehn Millionen Euro unterstützt. „CCS Telehealth Ostsachsen bietet die Chance, Möglichkeiten für eine ganzheitliche und langfristige telemedizinische Unterstützung für die medizinische Versorgung in Deutschland aufzuzeigen. Das Vorhaben demonstriert, dass flächendeckende IT-Lösungen in der Medizin für die Zukunft möglich sind“, sagte Telekom-Programmleiter Hübschen.

Bisherige Pilotprojekte zur Telemedizin sind meist zeitlich befristete, regional begrenzte und fachlich eng definierte Insellösungen. Eine Kooperation verschiedener medizinischer Projekte scheitere dabei zumeist wegen unterschiedlicher technischer Grundlagen. Die universell einsetzbare Plattform von CCS und Telekom in Ostsachsen sei dagegen auf unterschiedliche Projektszenarien übertragbar, erklärte die CCS-Geschäftsführerin Rößing. Für potentielle Anbieter telemedizinischer Leistungen würden die technischen und wirtschaftli- chen Risiken, die der Aufbau eines eigenen Netzwerkes mit sich bringt, deutlich reduziert.

Hoffnung auf Klarheit durch neues E-Health-Gesetz

Das neue E-Health-Gesetz, das Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) noch dieses Jahr vorlegen will, biete parallel dazu die Chance, auch rechtliche Klarheit für die Branche zu schaffen, sagte Hübschen. Ein Knackpunkt ist zudem die baldmögliche Klärung der Vergütungs-Frage beim Einsatz der Telemedizin. Bisher fehle ein einheitlicher, klarer Rahmen zur Bezahlung telemedizinischer Dienstleistungen. Mit den erhofften Klarstellungen sei die Telemedizin schon in wenigen Jahren aus dem Gesundheitswesen nicht mehr wegzudenken, so Hübschen.

Versorgung für Patienten in ländlichen Regionen

Für Hübschen steht fest: „Eine zunehmende Zahl von älteren und chronisch kranken Menschen muss adäquat versorgt werden, auch in ländlichen und strukturschwachen Gebieten. Die flächendeckenden Anwendungen der Telema- tik und Telemedizin leisten einen Beitrag zur Bewältigung dieser Aufgabe. Unsere offene Plattform ermöglicht dank einheitlicher Standards den breiten Zugang zu medizinischer Expertise – und zwar ohne regionale Grenzen.“ Auch neue Formen einer Betreuung der Patienten im häuslichen Umfeld könnten so realisiert werden.


Kontakte

Carus Consilium Sachsen
Sophia Mittelstädt
Telefon 0351 / 458 15040
E-Mail: sophia.mittelstaedt@carusconsilium.de

T-Systems Pressesprecher
Hubertus Kischkewitz
Telefon 0228 / 18194160
E-Mail: Hubertus.Kischkewitz@telekom.de